___________________________________________________________________________
5. Zusammenfassung
Elche stellen eine Problemart in der Zootierhaltung dar. Sie erreichen im Zoo entgegen dem
Trend, dass Tiere in Menschenobhut älter werden als ihre frei lebenden Artgenossen, meist
weniger als die Hälfte des biologisch möglichen Alters. Besonders schwierig gestaltet sich die
adäquate Fütterung, da die Tiere sehr stark von der Gabe frischer Laubäsung abhängen und
die Fütterung mit Ersatzfuttermitteln, wie z.B. Heu, langfristig nicht erfolgsversprechend ist.
Zudem sind die Tiere sehr anfällig für Parasiten und eine von Schafen übertragene
Viruserkrankung (Bösartiges Katarrhalfieber). Ihr hoher Platzbedarf und das Problem der
innerartlichen Aggression machen die Haltung dieser größten Hirschart zusätzlich
kompliziert. In dieser Arbeit wird die Methode der Angewandten Chronoethologie in der
Zootierhaltung vorgestellt, die sich die von der Inneren Uhr gesteuerten Verhaltensrhythmen
einer Tierart zur Beurteilung ihres Wohlbefindens und ihrer Haltungsbedingungen in der
künstlichen Zooumwelt zu Nutze macht. Der Besitz einer Inneren Uhr stellt in der hochgradig
rhythmisch organisierten Umwelt einen Selektionsvorteil im Sinne einer frühzeitigen
Anpassung an wiederkehrende Umweltbedingungen dar. Die Innere Uhr ist so alt wie das
Leben selbst, genetisch fixiert, über Zeitgeberreize mit ihrer Umwelt synchronisiert und regelt
die Lebensvorgänge von Organismen auf allen organisatorischen Ebenen, auch auf der Ebene
des Verhaltens. Ist der normale Verhaltensrhythmus einer Tierart bzw. eines Individuums
bekannt, ist es möglich, aus Abweichungen von der Norm auf Störungen des Organismus –
auf Unwohlsein – zu schließen. Anhand des Vergleiches von drei Elchhaltungen mit jeweils
zwei Tieren, die unter verschiedenen Bedingungen gehalten wurden, konnten mit Hilfe
zeitgeraffter Videoaufzeichnung und dem Einsatz eines Speichertelemetriesystems die
folgenden Faktoren als einflussreich auf das Verhaltensmuster von Elchen in Menschenobhut
identifiziert werden.
Die nächtliche Aufstallung von Elchen ist aufgrund des Raum- und Reizmangels in den
Boxen ein erheblicher Eingriff in das natürliche, gleichmäßig über Tag und Nacht verteilte
Verhaltensmuster der Tiere. Außerdem sind sie in ihrem Verhalten hochgradig vom täglichen
Ablauf des Pflegeralltags im Zoo beeinflusst. Feste Fütterungszeiten können einen starken
Zeitgeberreiz darstellen, den die Elche in den beiden naturferneren Haltungen stärker zu
antizipieren scheinen als den Zeitgeber „Licht“. Größe und vor allem Strukturierung des
Außengeheges haben einen Einfluss auf dessen zeitliche und räumliche Nutzung. Abschüssige
Gehegeteile können die unerwünschte Verhaltensweise Grasen fördern. In unseren
mitteleuropäischen Breiten leiden die Elche im Sommer unter Hitzestress, was sich in
verringerter Aktivität widerspiegelt. Ein hohes Besucheraufkommen kann die Tiere ebenfalls
in ihrem Verhalten beeinflussen. Es hat sich jedoch gezeigt, dass sich der Elch schnell an die
Zoogegebenheiten und viele Besucher gewöhnt.
Durch den Vergleich der verschiedenen Haltungsbedingungen konnten in der vorliegen Arbeit
Vorschläge zur Verbesserung der Haltung von Elchen in Menschenobhut und zu ihrem
zeitlichen Management gemacht werden. Der Elch hat sich aufgrund des für Wiederkäuer
Zusammenfassung