Der ehemalige Safaripark
Löwensafari und Freizeit-Park
Tüddern
(1968-1990)
Geschichte der Safariparks
Bilder von alten Postkarten (undatiert)
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Weitere Postkarten
(zur Verfügung gestellt von
Markus Leipold)
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Bilder aus dem Jahre 1986 (© Dirk Petzold) Klick zum Vergrößern
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In den 60er Jahren wurde Europa von Dutzenden Safariparks geradezu überschwemmt.
Die Idee einer weiträumigen Gehegeanlage für exotische Wildtiere, zwischen denen sich der Mensch in speziellen Fahrzeugen bewegt, entwickelte bereits Prof. Bernhard Grzimek in den 1950er Jahren unter den Namen"Tierfreiheit" für einen Standort in Hessen. Mangels Geldmitteln wurde sie nie verwirklicht. (Dies steht in keiner Beziehung zur später zu sehr zweifelhaftem Ruf gekommenen "Schlitzerländer Tierfreiheit", die Mitte der 90er Jahre schloß.)
1966 startete die Circusdynastie Chipperfield, inspiriert von einem Löwengehege in einem ehemaligen Steinbruch in Japan, zusammen mit den Schloßherren von Longleat in Mittelengland das Experiment "Lions of Longleat": Lord Bath hatte dort bereits 1949 einen Tierpark angelegt, um Besucher zu seinem unterfinanzierten Schloß zu locken. Hier konnten die Besucher nun mit ihren eigenen Autos durch ein Löwengehege fahren. Es erregte riesiges öffentliches Aufsehen. Wenig später kamen zusätzliche Gehege hinzu, und weitere Parks in England und bald auch im übrigen Europa entstanden (meist ebenfalls Projekte von Chipperfield): 1968 in Thoiry, Tilburg (Beekse Bergen), Arnhem und in Deutschland Tüddern und Westerholt (Gelsenkirchen), 1969 Stukenbrock, 1970 Groß-Gerau, 1972 Gänserndorf (Österreich) und Hodenhagen.
Der anfangs enorme wirtschaftliche Erfolg beruhte nicht nur auf dem neuartigen Konzept, sondern vor allem darauf, daß sie den nun motorisierten Stadt-Ausflüglern ein ideales Ausflugsziel boten. Noch zehn Jahre zuvor wäre ein solcher Park in Deutschland nicht möglich gewesen.
Stets waren ein deutlicher Freizeitpark-Aspekt und die typische Circus-Sensationsheischerei nicht zu übersehen, während die Tierhaltung in den meist billigst erbauten (und nur für wenige Betriebsjahre geplanten) Anlagen vor allem in der Winterzeit, in der die Parks geschlossen waren, wenig befriedigend war. Folglich wandten sich die traditionellen Zoos gegen solche nicht wissenschaftlich geleiteten, rein auf kommerziellen Erfolg ausgelegte Parks. Während diese durchaus erfolgreich versuchen, ihre vergleichsweise großen Gehege in der Öffentlichkeit als "Tierfreiheit" darzustellen - im Gegensatz zu den eher beengten Gehegen der damaligen Stadtzoos.
Schon früh gab es Kritik an den schnell und sehr einfach erbauten Parks, die meist kein Fachpersonal hatten und anfangs große Verluste an Tieren aufwiesen. Grzimek bemängelte fehlende Überwinterungen, Fachkenntnisse und Desinteresse an Zucht. Sein Kollege Prof. Klös aus Berlin ezeichnete sie als "Abfalleimer der Zoos", in die alle überzähligen Tiere abgeschoben wurden.
Von Deutschland ging eine weitere Welle von Safaripark-Gründungen aus, vorangetrieben durch Hermann Ruhe von der Tierhandelsfirma Ruhe, Alfeld. Er beriet zahlreiche dieser Unternehmungen und gründete mehrere Safariparks u. a. in Spanien (auf dem Festland und auf Mallorca - Porto Christo), in Österreich, und sogar in Venezuela. Hermann Ruhe starb am 14. 12. 2003.
In den späten 70er Jahren hatten sich Dutzende weitere Wild- und Tierparks auf dem Land gegründet, und es gab auch keinen Mangel an anderen Freizeit-Konkurrenz-Angeboten. Das Safari-Konzept war nicht mehr neu, die billig gebauten Gehege wurden marode. Schlagzeilen wie "rheumatische Löwen in feuchtem Buchenlaub" erschienen, prangerten Mißstände an. Zeitschriften wie Stern und Natur fragten, ob Tierhaltung in Abgasen wirklich so naturnah sei, während die erholungssuchenden Besucher in ihre Blechbüchsen eingesperrt sind. Hinzu kamen immer stärkere Einschränkungen durch Artenschutz- und Naturschutzgesetze, Handelsbeschränkungen (CITES, Seuchenhygiene), und stark steigende Betriebskosten. Viele Parks überlebten diese Phase nicht. Heute gibt es nur noch zwei Safariparks in Deutschland, beide überlebten nur durch die Kombination des Tier-Bereichs mit großen Freizeitpark-Sektionen.
Löwensafari Tüddern bei Selfkant: 1968 als erster Safaripark Deutschlands eröffnet. Recht klein (offiziell 70 ha, aber nie voll ausgebaut, max. 35 ha genutzt inkl. Parkplätzen und See), bot neben einigen Safarigehegen (Löwen, Tiger, Paviane - später zur Savanne umgebaut) und dem "Daktari-Land" (klassischer Tierpark-Bereich mit Gehege- und Käfigansammlung, hier auch zeitweise junge Elefanten , Flußpferde und Schimpansen) hauptsächlich eine Westernstadt mit einfachen Freizeitattraktionen. Anfangs durch Rosenberg + Althoff betrieben, in den 70ern durch Familie Weinheinmr übernommen und renoviert. 1985 starb der langjährige Direktor Johann Weinheimer im Alter von 68 Jahren. Danach wurden immer mehr Tiere verkauft und der Park zunehmend ungepflegt. Der Umbau ab 1988 zu Fuß-Safari und Affenland scheiterte, 1990 war der Park pleite und wurde geschlossen. (1986 besucht, 2006 Gelände besichtigt)
Safariland Groß-Gerau bei Frankfurt/M: 1970 eröffnet, technisch sehr aufwendiger Park (Safari-Zug, Einschienenbahn, zeitweise Delphinarium). 1986/87 Umbau in Rhein-Main-Park gescheitert. Mehr dazu unter www.safarilandgg.de. (1974 besucht)
Löwenpark des Grafen Westerholt in Gelsenkirchen: 13. August 1968 eröffnet, stets nur Löwenhaltung und Streichelzoo im Wald des Schlosses, sehr klein. 1989 bankrott, Löwen drohten eingeschläfert zu werden, kamen dann aber in einen spanischen Park. (1987 gesehen)
Schlitzerländer Tierfreiheit bei Schlitz / Fulda: Beim Aufbau 1971 von Heinz Heck (ehem. Dir. Tierpark München) beraten, nie fertig ausgebaut (kein Autoverkehr im Park), über Jahrzehnte als kleiner Tierpark betrieben und 1999 geschlossen (bankrott, Besitzerin krank: mehrere Tiere verhungerten, einige wurden von Tierschützern gerettet: Bären in den Biotopwildpark Anholt umgesiedelt). (Zoo-AG-Exkursion 1998, von mir mehrfach seit 1986 besucht)
Freizeitpark Welzheim bei Stuttgart: Nie als Safaripark fertiggestellt (kein Autoverkehr im Park), heute Freizeitpark mit einigen Tierdressuren. (1987 besucht)
Freizeitpark Schloß Thurn Heroldsbach bei Erlangen: bis in die 1990er Jahre hinein Haltung auch von Großraubtieren, einst zwischen den Gehegen verlaufende breite Fahrstraßen und die Einschienenbahn lassen vermuten, daß hier ursprünglich ein Safarikonzept geplant war (es ist aber unklar, ob jemals Privat-PKWs durch den Park fahren konnten, heutige Betreiber können oder wollen keine Auskunft zur Geschichte geben). Heute mittelgroßer Freizeitpark mit wenigen Tieren, meist Haustiere und Hirsche sowie einige Volieren. (mehrfach besucht)
Hollywoodpark Stukenbrock bei Paderborn: Vom Schausteller Fritz Wurms erbauter Safaripark, der seit den 80er Jahren zunehmend auf Freizeitpark-Attraktionen setzt und vor allem mit zweifelhaften sogenannten Zuchtprogrammen für "Weiße Tiger" und "Weiße Löwen" für Aufmerksamkeit sorgt. (Zoo-AG-Exkursion 2000; mehrfach besucht)
Serengetipark Hodenhagen zwischen Bremen und Hannover: Der in den frühen 80er Jahren heruntergekommene Park wurde von Familie Sepe mit einem großen Freizeitparkteil versehen und nach und nach saniert. Seither wurden die Safarigehege umgebaut, eine wissenschaftliche Leitung eingestellt und zahlreiche weitere Tier-Bereiche erbaut wie das Affenland. (ZooAG-Exkursionen 2004, 1999,1996; seit 1976 besucht). serengeti-park.de
Hochwildschutzpark Daun in der Eifel: Ein Sonderfall, denn hier fährt man mit dem Auto durch weitläufige Gehege mit Herden heimischer Huftiere. Auch dieser Park litt zeitweilig unter Besucherschwund und versucht, durch Affen, Flushow und Gehege für kleinere Tiere sein Angebot zu erweitern und den geänderten Anforderungen anzupassen. (Zoo-AG-Exkursion 2005, mehrfach besucht)
Dänemark (2: Löwenpark Givskud, Safarizoo Knuthenborg; aufgelöst: Silkeborg-Sminge Safarifarm)
Polen (1: Swierkocin)
Tschechien: Dvur Kralove (kein eigentlicher Safaripark, sondern an den Zoo angeschlossener Safariteil, der nur mit Bussen durchfahren wird)
Österreich (0: Safaripark Gänserndorf; Konkurs Herbst 2003, Auffanggesellschaft unter Beteiligung der Östereichischen Zoo-Organisation OZO gegründet, doch weder OZO noch andere Betreiber-Interessenten konnten das Ende verhindern. Seit 2005 existiert nur noch die vom Pharmakonzern Baxter auf dem Gelände erst 2003 erbaute Menschenaffen-Auffangstation. Vergl. Meldungen in unserer Zoopresseschau)
Frankreich (5: Port St. Pere (jetzt Planéte Sauvage), Sigean, Thoiry, Peaugres, Frejus; geschlossen: St. Vrain)
Niederlande (1: Beekse Bergen; nicht mehr befahrbar: Safari-Teil des Zoo Arnhem - einst der erste Safaripark auf dem eur. Festland)
Großbritannien (4: Longleat Safari Park, Woburn Safari Park, Knowsley Safari Park, Drayton Manor Farm Safari Park; aufgelöst: Windsor Safari Park - heute Legoland, Blair Drummond Safari Park in Schottland)
Belgien (1: La Monde Sauvage Aywaille; ehemals auch Iepers Bellewaerde Park (zwischenzeitlich kleiner Zoo, seit einigen Jahren wieder großzügig ausgebaut)
Schweden (1: Safaribereich des Zoo Kolmarden)
Spanien (9?, zumindest Safari Vergel zwischen Valencia und Alicante, Carbaceno bei Santander, Rio Safari Elche, Safari Aitana de Alicante, Safari-Zoo Porto Christo Mallorca, Auto Safari Reserva Africana San Lorenzo Mallorca, Safari Madrid Aldea del Fresno, Safaripark El Castillo de las Guardas bei Sevilla, Safari de Andaluz b. Marbella, geschlossen: Valvo bei Valladolid)
Portugal (1: Vila Nova; zudem mehrere kleine meist primitive Parks, die sich "Safari" nennen)
Italien (mind. 3: Pombia, Fasano, Bussolengo)
Kroatien (1: Insel Briunj - ehem. Privatzoo von Tito; nur ein großes Gehege zum Durchfahren mit kleiner Bahn, einzige interessante Tiere sind ein Paar As. Elefanten im Extragehege).
Ungarn: ein gescheitertes Projekt am Plattensee, heute Afrika-Jagd-Museum
Links:
Aufgelöste Zoos in Deutschland
Safaripark
Groß-Gerau
Windsor
Safaripark (heute Legoland England)
Zoo
Manchester (Belle Vue Zoo)
Hinweise auf weitere (ehemalige) Safariparks erwünscht - ebenso Material, Infos und Bilder über die genannten Parks!
Aktualisiert 10.2.09, erstellt von Dirk Petzold am 16.11.2001
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